Modellregion Ökolandbau Wetterau

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Ökomodellregion Wetterau – Lob aus Italien für ganzheitlichen Ansatz

Eine Gruppe von Menschen steht auf der Treppe vor dem Kreishaus und hält verschiedene Lebensmittel in den Händen.

Unser Bild zeigt Kreisbeigeordneten Matthias Walther mit den Besucherinnen und Besuchern aus der Emilia-Romagna und Vertretern des Fachdienstes Landwirtschaft des Wetteraukrei-ses. Rechts im Bild: Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther, links neben ihm: Landwirtschaftsministerin Simona Caselli. Ganz rechts vorne: Claudia Zohner, Koordinatorin Ökolandbau Modellregion Wetterau, links neben ihr: Hermann Götz, Fachdienstleiter Landwirtschaft in der Kreisverwaltung.

Das Land Hessen ist mit der Region Emilia-Romagna verschwistert. Eine Delegation unter Leitung der Landwirtschaftsministerin Simona Caselli besuchte dieser Tage den Wetteraukreis, um sich über das Projekt Modellregion Ökolandbau Wetterau zu informieren. Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther begrüßte die Gäste aus Bologna.

Auch wenn es erhebliche Größenunterschiede gibt, sei doch die Wetterau mit der Emilia-Romagna vergleichbar, eine fruchtbare Region in einem prosperierenden Gebiet. Die Landwirtschaft unterliege einem stetigen Wandel. „Derzeit gibt es knapp 1.000 landwirtschaftliche Betriebe im Wetteraukreis“, so Matthias Walther, „vor 30 Jahren waren es dreimal so viel.“ Die bewirtschaftete Fläche habe sich hingegen kaum verändert. 52.000 Hektar werden landwirtschaftlich bewirtschaftet.

Zahl der Ökobetriebe wächst

2015 wurde der Wetteraukreis eine von drei Ökomodellregionen in Hessen. Damals betrug der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen nur vier Prozent bei 40 ökologisch wirtschaftenden Landwirten. Mittlerweile hat sich die Zahl der Öko-Betriebe auf 62 erhöht. Fast 5.000 Hektar werden heute ökologisch bewirtschaftet. Die wachsende Zahl der Öko-Betriebe bezeichnete Walther als Erfolg für das Projekt. „Das hat viel mit unserem Engagement für die Modellregion Ökolandbau und den beteiligten Landwirten zu tun“, berichtete Claudia Zohner, die Koordinatorin des Projekts.  

Italien ist in Sachen ökologischer Landbau schon etwas weiter als Deutschland. Nach Spanien ist Italien das Land mit der größten Biofläche in Europa, noch vor Frankreich und Deutschland. In der Emilia-Romagna, konnte Ministerin Caselli berichten, hat der Ökolandbau ebenfalls erheblichen Zuwachs. Mittlerweile werden 15 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der Emilia-Romagna ökologisch bewirtschaftet. Das sind rund 5.000 Bio-Landwirte. 50 Prozent der Bauernhöfe in der Region haben weniger als fünf Hektar. Die durchschnittliche Größe eines Bio-Bauernhofs beträgt 30 Hektar.

„In ganz Europa gibt es ein verändertes Verbraucherverhalten mit dem Wunsch nach sicheren Lebensmitteln und damit auch nach mehr Bio“, erläuterte die Ministerin. Die Emilia-Romagna habe zwar auch viel Industrie vorzuweisen, sei aber auf Landwirtschaft angewiesen.

Der gegenseitige Austausch in Fragen der Landwirtschaft, speziell der ökologischen Bewirtschaftung, soll nach dem Wunsch von Ministerin Caselli fortgesetzt werden. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von dem ganzheitlichen Ansatz und der Einbeziehung der Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Modellregion Ökolandbau. Caselli kündigte an, dass die Provinz Bologna Bio-Distrikt werden soll, was der Idee der Modellregion ökologischer Landbau ziemlich nahekommt. Hier wolle man durch den Austausch von Erfahrungen gegenseitig profitieren.

Solidarisch wirtschaften

Nach dem Meinungsaustausch im Friedberger Kreishaus besuchte die italienische Delegation noch den Bio-Hof Pabst in Dorheim, wo auf einer Fläche von 1,3 Hektar das Modell der Solidarischen Landwirtschaft praktiziert wird.

Holger Papst erläuterte die Funktionsweise: Ein Landwirt sagt, wie hoch sein Budget für den geplanten Anbau von bis zu 45 Gemüsekulturen ist. Das Budget wird dann geteilt durch die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft, die damit einen Monatsbeitrag festlegen. Dieser beträgt für die 90 Mitglieder der SOLAWI Dorheim 60 Euro, mithin 720 Euro pro Jahr. Damit werden die Kosten für die Bewirtschaftung der Fläche und die damit verbundene Arbeitskraft finanziert.

Das Besondere an der Solidarischen Landwirtschaft ist die Tatsache, dass Konsumenten und Produzenten wieder zusammengebracht werden. Die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft holen sich nämlich nicht nur jeden Freitag ihre Gemüsekiste, die zu den besten Erntezeiten schon einmal acht Kilogramm schwer ist und jetzt in der Winterzeit mit Sellerie, Möhren, Pastinaken, Kartoffeln, Grünkohl und Zwiebeln eher leichter ausfällt, sondern helfen mitunter auch freiwillig bei der Feldarbeit.

Vera Merkel und Christopher Schunk teilen sich eine Stelle und arbeiten das ganze Jahr über auf der Fläche. Im Februar beginnt die Planung, welche Kulturen angebaut werden. 40 bis 45 verschiedene Fein- und Grobgemüse sowie, Kräuter werden angebaut. Die jeweilige wöchentliche Ernte wird durch 90 geteilt und dann abgeholt. Für besonders aufwändige Arbeiten, wie etwa die Ernte von Bohnen, werden die Mitglieder zur Mitarbeit eingeladen. „Auch das ist kein Problem, das Engagement der Mitglieder ist hoch. Schließlich wissen sie, welch hochwertige Ware sie für ihren Einsatz bekommen“, sagte Christopher Schunk.

Ministerin Caselli und die Teilnehmer ihrer Delegation bedankten sich abschließend für die Gastfreundschaft und die interessanten Einblicke. Alle Beteiligten waren sich einig, dass man vom gegenseitigen Austausch profitiere und voneinander lernen könne.

veröffentlicht am: 21.11.2019

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