Modellregion Ökolandbau Wetterau

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Erfolgreiche Öko-Umsteller Tage 2019 in der Wetterau

Unser Bild zeigt die Referenten des Öko-Umsteller Forums von links: Matthias Walther, Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent, Claudia Zohner, Koordinatorin der Modellregion Ökolandbau Wetterau, Tim Treis, Verbandssprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen e. V., Tatjana Bär, vom Fachdienst Landwirtschaft, Dr. Anne Schmidt, AgrarBeratungs- und Controll GmbH und Heinz Gengenbach, vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

Die im März 2016 gestartete Umstellungsoffensive auf Ökolandbau im Landkreis Wetterau ist bis heute ein Erfolgsprojekt. Ziel der Offensive ist es den Anteil von ökologisch bewirtschafteter Fläche sowie die Anzahl der Bio-Betriebe zu erhöhen. Durch das Projekt werden konventionelle Landwirte oder bereits ökologisierte konventionelle Betriebe mit einem breiten Angebot angesprochen und auf Wunsch mit anderen Akteuren vernetzt.

„Die Modellregion Ökolandbau Wetterau hat in den vergangen drei Jahren durch zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen wie den Öko-Umsteller Tagen dazu beigetragen, die Zahl der Ökobetriebe in der Wetterau von 40 auf 62 Betriebe zu erhöhen sowie den Anteil von ökologisch bewirtschafteter Fläche von 2.700 ha auf 4.800 ha auszuweiten“, sagte Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther bei der Begrüßung der rund 50 anwesenden Landwirte, Fachberater und Interessierten, die der Einladung zum Forum-Umstellung am Montag, den 1. April in das Haus der Umwelt nach Friedberg gefolgt waren.

Umstellungsoffensive Ökolandbau

Die zentrale Wetterau ist wegen der hohen Bodenfruchtbarkeit und dem günstigen Klima absolut herausragende Gunstregion Hessens. Die auf den Flächen zu erzielenden Erträge sind die höchsten des Landes. Das hohe Ertragspotenzial und die Flächenstruktur im Wetteraukreis mit einem rd. 75% Ackerlandanteil waren Voraussetzungen, bei denen der Ökolandbau für die meisten konventionellen Betriebe keine Option war. Daher sind erzielte Umstellungserfolge im Landkreis wegweisend für konventionelle landwirtschaftliche Betriebe in ganz Hessen.

Derzeit werden in etwa 9% der landwirtschaftlichen genutzten Fläche im Kreis ökologisch bewirtschaftet. Um dies weiter voranzutreiben, setzten die Projektverantwortlichen auch im Jahr 2019 auf das bewährte Konzept von Infoveranstaltung und Exkursion an den Öko-Umsteller Tagen. So wurden während des Umstellungs-Forums die Grundlagen des Ökologischen Landbaus, die Beratungs- und Förderangebote sowie der Ablauf einer Bio-Zertifizierung von verschieden Referenten erörtert und am vergangen Samstag zwei regionale Öko-Betriebe mit den Teilnehmern des Forums besucht.

Günstige Rahmenbedingungen für Umsteller

Welche staatlichen Beratungsangebote es für umstellungsinteressierte Landwirte gibt, das berichtete Heinz Gengenbach, vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Ökolandbau wird gesellschaftlich wertgeschätzt und finanziell gefördert. Die Preise sind höher als für konventionell erzeugte Produkte. Gengenbach warnte aber vor zu viel Euphorie, denn die Umstellung erfordere einen langen Atem, viel Arbeit, höhere Investitionen und führt zu geringeren Ernteerträgen.

Wer auf leicht lösliche Mineraldünger sowie auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz verzichten will, für den ist der Ökolandbau eine Alternative. Um erfolgreich zu sein, müsse man die Familie einbinden und die notwendigen Ressourcen ermitteln. Besonders  in der Umstellungsphase, im Zeitraum von normalerweise 2 Jahren, muss auf die Liquidität des Betriebes geachtet werden, da die Umstellungsware zwar nach den Öko-Richtlinien erzeugt wird, aber nicht als Bio-Ware gehandelt werden darf.

Fördermittel für den Ökolandbau

Die Zuschüsse werden über den Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung in der Wetterau ausgezahlt. Maßgebend dafür ist das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM).

„Gefördert wird der ökologische Landbau immer für eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Die Förderung hängt von der Nutzung der Flächen ab. Sie beträgt etwa für Ackerland 260 Euro pro Hektar, für Dauergrünland 190 Euro pro Hektar, für Gemüse 420 Euro pro Hektar. Die Zuschüsse sind an die Einhaltung der Vorgaben in der Flächenbewirtschaftung, sowie in der Tierhaltung, gebunden“, gab Tatjana Bär von der Fachstelle Agrarförderung Auskunft.  

Bio-Zertifizierung

Wer sich dazu entscheidet ökologisch auf seinem Betrieb zu wirtschaften, verpflichtet sich gleichzeitig zur Prüfung der Einhaltung der Öko-Richtlinien durch eine Kontrollstelle. Referentin Dr. Anne Schmidt, von der AgrarBeratungs- und Controll GmbH, einem privaten und neutralen Kontrollinstitut, berichtet daher über die Anforderungen und den Ablauf einer Bio-Zertifizierung. Am Ende des Vortrags war klar: Wer ein gutes Ablagesystem für seine Belege einführt, muss keine Bedenken vor der Öko-Zertifizierung haben.

Verbände des ökologischen Landbaus

Umstellungsbetriebe schließen sich häufig einem Verband des ökologischen Landbaus an. Das sind in Hessen Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis und Gäa e.V. Ökologischer Landbau. Um die eigene Qualität zu sichern, haben die Öko-Verbände weitere Kriterien für die Erzeugung und Verarbeitung von Verbandsware eingeführt. Mehr als 50 Prozent der ökologisch arbeitenden Betriebe in Hessen gehören einem Verband an und das mit gutem Grund, denn die Verbände erleichtern den Marktzugang und begleiten mit Beratern.

Nach den Vorträgen standen die Referenten noch für Fragen der interessierten Landwirte zur Verfügung.

Exkursion zu regionalen Ökobetrieben

Am Samstag, den 6. April folgten geführte Exkursionen für interessierte Landwirte auf die Ökobetriebe Matthias Weitzel Naturland-Betrieb in Niddatal-Kaichen und den Bioland-Biohof Jens Dieffenbach in Wölfersheim. Beide Betriebe waren bereits bei der ersten Umstellungsveranstaltung der Modellregion Ökolandbau Wetterau im Jahr 2016 Teilnehmer und haben in den Folgejahren eine Betriebsumstellung durchlaufen. Die Betriebsleiter stellten ihre Betriebe und ihre Wirtschaftsweise vor, führten durch Ihre Betriebsstätten, den Fuhrpark und berichteten detailliert von ihren Umstellungserfahrungen im Ackerbau.

„Landwirte, die das Thema betriebliche Weiterentwicklung langfristig angehen und dabei den Ökolandbau als Option betrachten, haben durch Veranstaltungen wie die Öko-Umsteller Tage 2019 jede Menge Informationsmöglichkeiten. So können die Chancen und Risiken einer Umstellung abwägt werden. Besonders hilfreich sind die persönliche Kontakte zu regionalen Biobetrieben durch die Exkursionen, von deren Erfahrungen umstellungsinteressierte Landwirte gut profitieren können“, so Matthias Walther.

veröffentlicht am: 09.04.2019

Wetteraukreis

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