Modellregion Ökolandbau Wetterau

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Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Bei einer Informationsfahrt haben sich mehrere Landwirte, die an einer Umstellung interessiert sind, über den ökologischen Landbau informiert. Erster Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Jan Weckler steht mit der interessierten Besuchergruppe vor dem Hofladen Kleeblatt, wo ein Teil der Produkte der Staatsdomäne Konradsdorf vermarktet wird.

Der Wetteraukreis ist seit drei Jahren Modellregion für den Ökolandbau. Ziel ist es, mehr regionale Produkte zu produzieren und Landwirte für die Umstellung zum ökologischen Landbau zu interessieren. „Wir haben aktuell 49 Betriebe, die ökologisch produzieren. Das sind neun mehr als noch vor drei Jahren. Das Potenzial ist aber längst noch nicht ausgereizt. Gerade vor dem Hintergrund einer hohen Nachfrage aus dem Rhein-Main-Gebiet sehe ich da noch große Potenziale“, sagt Erster Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Jan Weckler.

Wer sich für den Umstieg von der konventionellen auf die ökologische Landwirtschaft entschieden hat, muss die ganze Familie hinter sich haben. Das soziale Umfeld muss stimmen und man muss auch bereit sein, Rückschläge in Kauf zu nehmen. In einer kleinen Serie stellen wir drei Wetterauer Betriebe des ökologischen Landbaus vor.

Keine Spitzenerträge, aber ein System im Einklang mit der Natur

Helmut Keller bewirtschaftet in der Wetterau den größten Biobetrieb. Rund 330 Hektar gehören zur Staatsdomäne Konradsdorf, die Keller schon vor 25 Jahren gepachtet und sukzessive weiterentwickelt hat.

Keller hat sich auf die Produktion von Milch, Eiern und Getreide spezialisiert. Im Hofladen Kleeblatt vermarktet er die Produkte des Hofes, aber auch von anderen Bioland-Betrieben. 50 Prozent der 330 Hektar sind Grünland. Darauf wird das Futter für rund 180 Milchkühe produziert.

Im Sommer stehen die Kühe auf der Weide, aber auch im Winter ist der offene Stall luftig und großzügig. „Die Kälber bleiben bei der Mutter, da entwickeln sie sich besonders prächtig. Die jungen Bullen sind im Sommer über auf der Sommerweide bei Schotten. Ich finde es einfach wichtig, dass die Tiere im Sommer rauskommen. Das gehört für mich zur artgerechten Tierhaltung“, sagt Helmut Keller.

Vor gut drei Jahren hat sich der Hof ein erstes, mittlerweile auch ein zweites Hühnermobil angeschafft. Hier legen mittlerweile 300 Hühner Eier für die Direktvermarktung. Der Aufwand ist groß, täglich muss jemand zu den Hühnern fahren und für Futter und Wasser sorgen. Die Eier werden mit der Hand eingesammelt. „Die Produktionskosten liegen bei rund 40 Cent pro Ei“, rechnet Keller vor. Da wundert es nicht, dass ein halber Euro pro Ei an der Kasse aufgerufen wird. Dennoch ist die Nachfrage groß, „denn die Kundinnen und Kunden wollen wissen, wo ihr Essen herkommt“, weiß der Öko-Landwirt, der dem Anbauverband Bioland angehört.

Der Aufwand in der ökologischen Landwirtschaft ist groß, aber ein Getreide- oder Maisacker muss auch nicht blitzsauber sein. Natürlich muss die Frucht die Oberhand haben, aber wenn noch Platz für Beikräuter ist, dann ist das wichtig für die Insekten. Rund vier Tonnen Getreide kann Helmut Keller pro Hektar ernten, deutlich weniger als der konventionell arbeitende Landwirt. Dafür bekommt er einen besseren Preis.

„Was wir produzieren, soll möglichst in der Region bleiben“

Statt Glyphosat, Insektizide und Fungizide werden die Äcker mit Maschineneinsatz „gestriegelt“. Dabei arbeitet der sogenannte Federzinken-Striegel nach dem Prinzip einer leichten Egge. Die Zinken dringen nur wenige Zentimeter in den trockenen Boden ein und legen das Unkraut frei, während sie die tieferwurzelnde Kulturpflanze nicht beschädigen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für einen guten Boden ist eine kluge Fruchtfolge, die die Bodenfruchtbarkeit erhält. „Mir ist wichtig, dass das, was wir hier produzieren auch möglichst in der Region bleibt.“ Bei Milch funktioniert das nicht hundertprozentig. Ein Großteil der Milch geht an eine bayerische Molkerei, die daraus Käse herstellt, der in ganz Deutschland verkauft wird, auch in der Region.

Bei Roggen, Weizen und Dinkel funktioniert der Verbleib in der Region besser. Das Getreide geht an eine große Bio-Bäckerei in Büdingen. „Wir haben keine Spitzenerträge, dafür aber ein funktionierendes System im Einklang mit der Natur“, beschreibt Keller seine Arbeit mit einem Satz.

veröffentlicht am: 15.03.2018

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