Modellregion Ökolandbau Wetterau

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Solidarische Landwirtschaft in der Wetterau

SoLaWi Friedberg Mitglied Anne Bethmann mit Thea und Leonore

Im Rahmen der BioWoche der Ökomodellregion Wetterau hat sich auch das SoLaWi-Projekt Wetterau in Friedberg-Dorheim präsentiert. Hinter der Abkürzung „SoLaWi“ verbirgt sich die Idee einer Solidarischen Landwirtschaft. Verbraucher und Landwirte arbeiten Hand in Hand und produzieren gemeinsam Gemüse.


7.000 Quadratmeter seines Ackerlandes hat Holger Pabst abgetrennt und eingezäunt. Hier wachsen fast 40 verschiedene Gemüsesorten für 50 Anteilseigner. Was wann gepflanzt wird, wie bewirtschaftet wird und wann geerntet wird, das hängt von den Empfehlungen von Gerrit Jansen ab. Der pensionierte Landwirtschaftslehrer hat in diesem Jahr die Ernte gegenüber dem Vorjahr erheblich nach oben schnellen lassen. „Allerdings ist der Boden auch hervorragend geeignet. Auf dem Dorheimer Boden wächst so gut wie alles außer Kohlrabi“, weiß Bauer Pabst. Das aber liegt an dem benachbarten Rapsfeld. Die Erdflöhe, die sich dort wohlfühlen, machen sich nach der Ernte des Rapses über den Kohlrabi her.


Gewirtschaftet wird streng nach Biolandvorschriften. Jeder Anteilseigner zahlt monatlich 50 Euro und erhält davon genau ein Fünfzigstel der eingebrachten Ernte. Jeden Freitag zwischen 15 und 18 Uhr kann dann der Anteil abgeholt werden. Wenn noch etwas übrig ist, wie zum Beispiel an diesem Freitag Buschbohnen, kann man selbst welche ernten.


Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass Erzeuger und Verbraucher in einem gemeinsamen Boot sitzen und auch das wirtschaftliche Risiko einer bäuerlichen Wirtschaft zumindest teilweise tragen. Der Bauer hat ein festes Einkommen und auch einplanbare Mittel für Investitionen. Das macht das Wirtschaften auch nach ökologischen Aspekten sicherer. Die Verbraucher sind dafür ganz nah bei der Erzeugung ihrer Lebensmittel.


Man nimmt in der Küche das Wetter wahr


Die Mitgliedschaft in einer Solidarischen Landwirtschaft verändert vieles. Beate Heid beispielsweise wird von der Sorge befreit, was gekocht werden soll. Die Entscheidung wird einfach von der Ernte abgenommen. Überhaupt hat das Wetter einen großen Einfluss darauf, was es in der Küche gibt. War es heiß und trocken, kann es durchaus zwei Wochen hintereinander jeweils drei Köpfe Salat geben, dafür in der dritten und vierten Woche nur einen.


Renate Jäger, die in Rosbach eine Kaffeerösterei betreibt, ist seit einem Jahr Mitglied und hat gerade Bohnen gepflückt. Das Projekt findet sie sensationell und freut sich regelmäßig auf den Freitagabend, wo sie entweder ihre Tiefkühltruhe bestückt oder mit ihrem Mann den Speiseplan für die nächste Woche kreiert, basierend auf der aktuellen Ernte.


Anne Bethmann ist mit ihren zwei kleinen Kindern hier: Thea (1 ½ Jahre) und Leonore (vier Jahre) helfen gerne beim Einkauf. Mutter Anne ist der direkte Kontakt zum Erzeuger wichtig. „Die Kinder essen fast alles, was es hier gibt. Die Sachen sind unheimlich frisch, und meine Familie meint, dass es sogar besser schmeckt als die Ware aus dem Biomarkt.“


Annika Williamson aus Friedberg ist freie Journalistin bei einer großen Wirtschaftszeitung. Sie informiert sich über die SoLaWi, weil sie einen Ausgleich braucht zu ihrer Arbeit. Auch ihr ist das Wissen um die Herkunft der Produkte wichtig. „Ich will sehen, wann welche Produkte Saison haben und nicht einfach das kaufen, was gerade im Angebot ist.“


Für Landwirt Holger Pabst bedeutet die Solidarische Landwirtschaft ein fest einplanbares Einkommen, aber auch der direkte Kontakt zu den Konsumenten und deren Wünsche sind ihm wichtig. Das Modell der Solidarischen Landwirtschaft kann er auch anderen Landwirten empfehlen. „Eigentlich sollte es in jedem Ort so ein Projekt geben“, meint Holger Pabst.


Die Solidarische Landwirtschaft ist ein Projekt, das noch im Wachsen ist. In Deutschland gibt es rund 100 Solidarische Landwirtschaften. In der Wetterau gibt es neben der SoLaWi in Dorheim noch die SoLaWi „Bunter Acker“  in Nidda-Wallernhausen mit mehr als 70 Anteilseignern.


Bei dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der SoLaWi mitorganisiert und finanziert wird.


In der Solidarischen Landwirtschaft sollen eine bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft gefördert und erhalten werden, regionale Lebensmittel zur Verfügung gestellt und Menschen einen neuen Erfahrungs- und Bildungsraum ermöglicht werden.


Auf der Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichten sich die Mitglieder, einen festen monatlichen Beitrag an den Hof zu zahlen, um dem Landwirt zu ermöglichen, sich unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen, den Boden fruchtbar zu erhalten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften. Im Gegenzug erhalten sie die gesamte Ernte.
Wesentlich ist dabei, dass die Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte und alles, was notwendig ist, sie zu erzeugen, vorfinanziert. Damit teilen sich alle Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft Verantwortung, Risiko und die Kosten der Ernte.


In Dorheim wie in Wallernhausen ist es ebenfalls möglich, direkt auf dem Feld mitzuarbeiten, etwa beim Unkrautjäten oder auch bei der Ernte.

veröffentlicht am: 04.09.2017

Wetteraukreis

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