Modellregion Ökolandbau Wetterau

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Bei Michael Emmrich rennen die Schweine im Galopp über die Weide

Michael Emmrich in seinem offenen Kuhstall

Michael Emmrich hat seinen Betrieb Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf Ökolandbau umgestellt. „Wir haben vorher schon extensiv gearbeitet, daher war die Umstellung nicht gar so groß. Aber eine Durststrecke muss man schon durchstehen“.

Michael Emmrich bewirtschaftet zusammen mit seiner Lebensgefährtin und einem Auszubildenden rund 110 Hektar, 60 Hektar Ackerland und 50 Hektar Grünland. Dazu hält er etwa 50 Mutterkühe und 15 Schweine in Weidehaltung, zudem 50 bis 60 Puten „Das ist eine Menge, die ich alleine und gelegentlich mit meiner Frau noch gut bewirtschaften kann.“

Was ist das Besondere an der Bioproduktion, etwa von Ferkeln? In der konventionellen Landwirtschaft bleiben die Schweine im Stall, zumeist ihr ganzes Leben. Bei Michael Emmrich toben sie im Freien oder suhlen sich tief im Matsch. „Meine Muttersäue werfen vielleicht sieben oder acht Ferkel und nicht bis zu 15. Dafür habe ich so gut wie keine Verluste, weil die Muttersäue ihre Ferkel nicht totdrücken.“

Das Futter wird nicht zugekauft, sondern selbst erzeugt. Emmrichs Ferkel sind robust und wenig krankheitsanfällig, dafür ist die Gewichtszunahme deutlich geringer als in der konventionellen Landwirtschaft und sie müssen länger gefüttert werden bis sie vermarktet werden können.

So ist bei allen ökologisch erzeugten Produkten der Ertrag niedriger als im konventionellen Anbau. Der Aufwand ist deutlich größer, dafür sind die Preise in aller Regel höher als bei konventionell erzeugten Produkten.

Die Sau auf der Weide

Michael Emmrich ist einer der wenigen Muttersauhalter in der Wetterau, der seine Schweine auf die Weide lässt. Sobald es die Witterung zulässt, sind die Mastschweine und der Eber auf der Weide, die Muttersauen und die Ferkel kommen später nach. „Das macht schon einen riesigen Unterschied, ob ein Schwein 800 Quadratmeter Weide für sich zur Verfügung hat, oder wenige Quadratmeter in einem Stall. Man muss einfach akzeptieren, dass man nicht das Maximum ausschöpfen kann, sonst ist eine ökologische Landwirtschaft nicht denkbar.“

Kälte macht den Tieren gar nichts aus, selbst 20 Grad Minus können sie draußen problemlos überstehen. Mehr zu schaffen macht den Schweinen sommerliche Hitze, aber auch dafür gibt es auf den Schweineweiden von Michael Emmrich genügend Schattenplätze. Die Flächen sehen etwas wüst aus. Das liegt daran, dass die Schweine grundsätzlich alles durchwühlen, selbst eine wunderschöne grüne Wiese würde binnen kürzester Zeit so aussehen. Die Schwäbisch-Hallischen Schweine und der Duroc-Eber haben ein schönes Leben in Ortenberg-Eckartsborn und auch den Deutschen Angus Mutterkühen, die im offenen Stall auf einem dicken Strohpolster stehen, geht es gut. Sobald der Boden etwas abgetrocknet ist, geht es raus auf die Weide.

Die Lebenserwartung der Mutterkühe von Michael Emmrich ist deutlich höher als bei anderen landwirtschaftlichen Betrieben. „Meine älteste Mutterkuh ist bald 17 Jahre alt und bringt immer noch gesunde kräftige Kälber zur Welt. Ich finde es schade, Tiere zu schlachten, nur weil die Betriebswirtschaft vorgibt, dass es sich so besser rechnet.“

Michael Emmrich vermarktet seine Produkte über Bioland oder direkt. Zum Teil wird das Fleisch auch im eigenen Restaurant in Eckartsborn zu leckeren Spezialitäten verarbeitet.

veröffentlicht am: 19.05.2016

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