Modellregion Ökolandbau Wetterau

claim

Helmut Keller bewirtschaftet den größten Biobetrieb in der Wetterau

Helmut Keller mit Carla Lenz und Sabine Görnert, beide gehören zur Familie und arbeiten im Hofladen, der im vergangen Jahr eröffnet wurde.

Helmut Keller ist nicht nur einer der ersten, sondern er ist der größte Biobauer in der Wetterau. Die Domäne Konradsdorf mit 120 Hektar hat er bereits seit 1992 gepachtet. Keller kommt aus dem Landkreis Gießen, wo er zuvor Landwirtschaft studiert und schon drei Jahre einen Bio-Hof geleitet hat.

„Wer einen Bio-Hof betreibt, muss davon überzeugt sein. Aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen ist so etwas nicht zu machen, auch wenn aktuell die Preise, etwa für Bio-Milch, deutlich höher liegen als für die konventionell erzeugte Milch“, macht Keller deutlich.

Weniger „Großvieheinheiten“

Wer Bio-Qualität erzeugen möchte, muss sich auf deutlich niedrigere Erträge einlassen. Es dürfen höchstens zwei so genannte Großvieheinheiten, also Rinder pro Hektar, gehalten werden. In der Realität sieht die Sache schon anders aus. Am Fuße des Vogelsbergs muss man von einer Großvieheinheit pro Hektar ausgehen, denn die Tiere müssen vom selbst erzeugten Futter ernährt werden. Das ist eine der Vorgaben um überhaupt eine staatliche Förderung zu erhalten. Ein angepasster Tierbestand ist allerdings in Sachen Gülle- und Mistbeseitigung ein Vorteil, weil die auf den eigenen Äckern leicht eingesetzt werden kann.

„Wir arbeiten in der Bio-Landwirtschaft nach überlieferten ackerbaulichen Grundsätzen. Auf der Staatsdomäne Konradsdorf mit 120 Hektar und der gleichen Menge dazu gepachteten Landes ist eine siebengliedrige Fruchtfolge Standard. Dabei werden mindestens zwei Mal Kleegras sowie Leguminosen (Hülsenfrüchte) angebaut. Insbesondere die Ackerbohne zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit Hilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft im Boden verwertbar macht für nachfolgende Kulturen.

Den Hof bewirtschaftet Helmut Keller nicht alleine. Insgesamt arbeiten zehn Menschen auf dem Betrieb. Neben seiner Frau und seinem Sohn sind es vier Angestellte und Auszubildende sowie Praktikanten.

Die Hälfte der insgesamt 240 Hektar sind Grünland, die andere Hälfte werden für Ackerfrüchte genutzt. „Wir müssen natürlich auch betriebswirtschaftlich rechnen. Denn wenn wir nicht mehr erlösen als wir einsetzen, wird das nicht gutgehen.“

Die Preise für Öko-Produkte sind deutlich höher als für Produkte, die in der konventionellen Landwirtschaft erzeugt werden. Das liegt an der aufwändigeren Wirtschaftsweise, aber auch an der Tierhaltung, die deutlich extensiver ist. Viele Kunden sind bereit, für den Verzicht von Insektiziden und Pestiziden sowie eine artgerechte Haltung mehr zu bezahlen.

Hühnermobil

Der Betrieb Keller hat ein Hühnermobil angekauft, das von Tim Keller bewirtschaftet wird. 200 Hühner sind die meiste Zeit des Tages auf einer großen Wiese, direkt an der Bundesstraße, weil der Straßenverkehr die Habichte abhält, die auch Hühner reißen.

Die Qualität der Eier muss bezahlt werden, 50 Cent kostet solch ein Ei. „Durchaus nicht billig, aber die höheren Preise führen dann auch zu einer Diskussion mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern. So können wir erklären, warum wir diese Preise nehmen müssen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.“

Herdenmanagement in der Domäne Konradsdorf

Ähnlich ist es bei der Milch. Die Kühe sind in offenen Ställen und werden, sobald es die Witterung zulässt, morgens nach dem Melken auf die Weide getrieben und kommen erst abends zum Melken zurück in den Stall.

Die Milchproduktion ist natürlich deutlich geringer als bei konventionell arbeitenden Bauernhöfen, aber dafür ist der Preis deutlich höher. Er liegt derzeit bei rund 48 Cent pro Liter, gut 20 Cent mehr als die traditionell arbeitenden Milchbauern erhalten, die sich bei diesen Preisen um ihre Existenz sorgen müssen.

„Ich will für die Menschen hier in der Region Lebensmittel produzieren und nicht einfach ein betriebswirtschaftliches Ziel verfolgen“, sagt Helmut Keller. So vermarktet er auch möglichst nahe in der Region. Aber auch mit Ackerfrüchten beliefert er die Region. Ein Drittel des Brotes einer bekannten Büdinger Bio-Bäckerei wird aus dem Getreide der Domäne Konradsdorf gebacken.

Domäne Konradsdorf vermarktet über Bioland

Im vergangenen Jahr hat die Familie Keller ein weiteres wirtschaftliches Standbein auf der Domäne eröffnet. Mit dem Bioladen wird ein Teil der eigenen Produkte nun direkt vor Ort vermarktet und der Zuspruch der Kunden ist groß:

Elfriede P. aus Hirzenhain beispielsweise kauft hier regelmäßig, weil die Ware frisch ist. „Hier gibt es ein Vollsortiment. Ich bekomme alles, was ich brauche“, sagt sie und auch Maike B. aus Glauburg schwört auf natürliche Produkte aus der Region: „Hier gibt es natürliche Produkte, von denen ich weiß, wo sie herkommen und mit denen ich eine gesunde Küche umsetzen kann.“ Petra S. kommt aus Selters und ist froh, einen Bioladen direkt im Ort zu haben.

veröffentlicht am: 19.05.2016

Wetteraukreis

Der Kreisausschuss

Fachdienst 4.2 Landwirtschaft - Agrarfachaufgaben Homburger Straße 17
61169 Friedberg

Ansprechpartner/in Claudia Zohner Telefon 06031 83-4217 Fax 06031 83-914217 E-Mail Claudia Zohner