Modellregion Ökolandbau Wetterau

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Biobetriebe in der Wetterau: Naturlandhof Weber in Kaichen

Christian Weber und seine jungen Mastschweine.

Bio-Produkte sind gefragt und in der Wetterau wirtschaften mittlerweile über 40 Landbaubetriebe ökologisch. „Wir legen sehr viel Wert auf regionale Produkte und auch auf Bio-Produkte, da diese nicht nur immer stärker nachgefragt werden, sondern durch hohe Auflagen bezüglich Tierhaltung und beim Anbau der Feldfrüchte eine hohe, umweltschonende Qualität der Produkte liefern“, so Landrat Joachim Arnold. Einige Bio-Betriebe und ihre Arbeit für Umwelt und Verbraucher werden in unserer Reihe „Biobetriebe in der Wetterau“ vorgestellt.

Der Hof der Familie Weber in Kaichen blickt unter der heutigen Leitung von Christian Weber auf eine lange bäuerliche Tradition zurück. Der Betrieb hat sich auf die ökologische Schweinehaltung spezialisiert und hält außerdem noch Hühner und Bienen. Auf gut 60 Hektar werden Winterweizen, Triticale, Kartoffeln, Luzerne, Senf, Kümmel, Ackerbohnen und auch Sojabohnen als Eiweißfutter für die Schweine angebaut.

Neben der Schweinemast betreibt der Naturlandhof Weber auch einen erfolgreichen Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen. „Man muss Neues probieren und damit Erfahrungen sammeln, immer neugierig bleiben und nicht hadern, falls mal etwas schief geht. Es ist wichtig seine Nische zu finden“, so Christian Weber über seine Einstellung zum Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen.

Von konventionell zu ökologisch

Schon in den 80-iger Jahren haben die Eltern von Christian Weber über Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft nachgedacht und waren bei der Erzeugergemeinschaft Hessenhöfe aktiv. Aus diesem Grund hat Christian Weber auch ein Jahr seiner landwirtschaftlichen Ausbildung auf einem Biobetrieb gemacht.

Bis 2001 lief der Hof noch unter konventionellen Bedingungen, dann kamen der Umschwung und das Umdenken. Nachdem Christian Weber den Hof 1999 von seinen Eltern gepachtet hatte, wollten er und seine Eltern etwas verändern und den Betrieb so ausbauen, dass zwei Familien davon leben können. Die Beweggründe für die Umstellung erklärt Christian Weber folgendermaßen: „Das Gefühl hat einfach nicht mehr gepasst. Wir konnten uns nicht mehr authentisch mit der konventionellen Landwirtschaft identifizieren und daher kam die Motivation, etwas anders zu machen und den Hof zu verändern und umzustellen.“

Die Familie Weber entschied sich, Mitglied im Bio-Anbauverband Naturland zu werden. Während der Umstellungsphase trug Christian Webers Vater mit einem außerlandwirtschaftlichen Einkommen zum Gelingen der Umstellungen bei. Seit 2004 wird der Hof mit zwei Vollerwerbskräften geführt.

Hindernisse überwinden

Natürlich gab es auch Hindernisse, die eine Umstellung zum Bio-Hof erschwerten. Der Schweinestall, der in den 80er Jahren entstand, entsprach nicht den Biorichtlinien und wurde während der Umstellung von 75 konventionellen Zuchtsauen auf 45 Bio-Zuchtsauen umgebaut.

Im Jahr 2009 wurde der Stall komplett saniert und heute werden 240 Bio-Mastschweine gehalten. „Für mich ist die biologische Landwirtschaft wie ein Handwerk, da man genau auf die Mechanismen, Regelwerke und Kreisläufe in der Natur und dem Klima und deren Folgen achten und sie verstehen muss, um erfolgreich zu sein und die größtmögliche Flächenproduktivität zu erreichen“, erklärt Weber. Nicht umsonst hat der „Webersche Kümmel aus der Wetterau“ mittlerweile die höchsten Ölgehalte in der Region: ein Qualitätskriterium und Alleinstellungsmerkmal. Der Hof spricht sich wie alle Biobetriebe gegen Gentechnik in der Landwirtschaft aus.

Christian Weber rät zu Beratung bei der Umstellung

„Familiärer und dörflicher Druck darf nicht den Schritt verwehren, dass man über eine Umstellung zum Bioanbau als Alternative nachdenkt“, betont Weber deutlich. „Bio funktioniert nur dann, wenn die Einstellung und die Philosophie stimmen. Die Motivation sollte nicht nur aus Förderungsoptimierung bestehen. Es ist wichtig, dass alle auf dem Betrieb an einem Strang ziehen, flexibel sind und einen Plan haben.“ Viele Gespräche unter Bio-Landwirten und mit Beratern sind nötig, um immer wieder den Weg zu finden, der für den eigenen Betrieb einzigartig und passend ist.

Christian Weber rät allen an einer Umstellung interessierten, konventionellen Betrieben, sich von der Ökoberatung des LLH (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) oder den erfahrenen und professionellen Verbandsberatern unterstützen zu lassen und sich einem Verband anzuschließen.

„Die ökologische Bewirtschaftung eines Hofes ist sehr erfüllend und sinnstiftend. Die Konzentration auf Taktik, Strategie und das operative Geschäft ermöglicht es, in einem regionalen Nachfragemarkt erfolgreich zu sein“, so Weber.

Am 4. Juli 2016 findet auf dem Naturlandhof Weber eine Veranstaltung zur biologischen Vielfalt von Heil- und Gewürzpflanzen statt.

Landwirte, die an der Umstellung auf Bio interessiert sind, können sich an die Modellregion Ökolandbau Wetterau wenden. Kontaktdaten und Infos unter oekomodellregion.wetterau.de

veröffentlicht am: 02.05.2016

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